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Vor Ankunft des Au-pair

Im Tagesablauf werden bald einige Änderungen eintreten, ja sogar eintreten müssen, denn ein weiterer Mitbewohner mit all seinen individuellen Ansprüchen, Vorstellungen, Wünschen und auch Bedürfnissen wird bald zu Ihrer Familie stoßen.

Sie sollten darauf vorbereitet sein, denn einiges könnte eine gewisse Umorganisierung erfahren müssen, wie z.B. es fällt mehr Wäsche an, es werden mehr und auch manchmal andere Nahrungsmittel benötigt, Fernseher und Telefon werden anders genutzt werden, die Kinder bekommen eine neue Bezugsperson aber auch solch triviale Dinge wie z.B. die morgendlichen Gewohnheiten nach dem Aufstehen erfahren eine Änderung.

Wir Menschen sind zumeist Gewohnheitsorientiert, eine kurze Umgewöhnungszeit ist deshalb ganz normal.

Dass all diese, wenn auch kleinen Dinge, zu Ihrer Zufriedenheit geändert werden können, hier ein paar Denkanstöße. Sicherlich haben wir einige Dinge diesbezüglich vergessen zu erwähnen, wir haben uns jedoch bemüht, die wichtigsten Dinge anzusprechen.

Bereits im Vorfeld sollten Sie sich mit Ihren Kindern über die neue Schwester / den neuen Bruder unterhalten. Hier bereits werden Sie bemerken, dass sich etwas neues anbahnt.


Das Au-pair kommt an

Nach einer zumeist sehr langen Reise kommt das Au-pair in eine völlig ungewohnte und neue Umgebung. Zumeist werden Sie sich, so die Vermittlung über unsere Firma organisiert wurde, zumindest von Telefonaten her kennen. Dennoch ist es etwas ganz anderes, plötzlich einander persönlich gegenüber zu stehen.

Hierbei unser Vorschlag, behandeln Sie Ihr Au-pair zunächst als lieben Gast, stellen Sie Ihre Familie vor, führen Sie Ihr Au-pair durch das Haus, geben Sie ihr die erste Mahlzeit unter Ihrem Dach, ab besten zusammen mit der ganzen Familie. Unterhalten Sie sich, so gut es geht, über die Reise, lassen Sie sie bei ihren Eltern anrufen, um dort bescheid zu sagen, dass alles in Ordnung ist, geben Sie ihr Zeit, sich zu sammeln und ein wenig Ruhe zu finden.



Die ersten Tage

Verbringen Sie ein bisschen Zeit mit dem Au-pair, zeigen Sie ihr vielleicht die nähere Umgebung, nehmen Sie sie zum Einkaufen oder zum Kindergarten bzw. zur Schule der Kinder mit. Lassen Sie sich viel von Ihr erzählen, über ihre Eltern, ihren Heimatort, ihre Freunde oder Interessen und über das tägliche Leben in ihrem Heimatland. Dies verhindert ein bisschen das immer aufkommende Heimweh, das Au-pair ist ein bisschen abgelenkt und Sie erfahren sicherlich viele Interessante Dinge aus dem Leben in anderen Ländern.

Zeigen Sie ihr den Umgang mit einigen Haushaltsgerätschaften, welche für Sie selbstverständlich sind aber, je nach dem, wo Ihr Au-pair herkommt, erst mühsam erlernt werden müssen, das sie dort teilweise nicht so verbreitet sind, wie hierzulande.

Zudem dient dies dazu, dass im Verlauf der Gespräche ein gemeinsames Fundament, ein Vertrauensverhältnis, vielleicht eine Freundschaft geschaffen wird. Auf dieses Verhältnis fußt die nachfolgende Zeit.


Der erste Monat

Nach und nach wird das Au-pair immer mehr zu einem Familienmitglied. Man gewöhnt sich aneinander, das Leben normalisiert sich.

In dieser Zeit wird aus dem Gast ein Mitglied mit, wie alle anderen Familienmitglieder auch, Aufgaben und Pflichten. Jedoch gerade bei den Aufgaben sollten Sie sich bewusst sein:

"Sie dürfen nichts als selbstverständlich voraussetzen".

Natürlich, die Handhabung von Waschmaschine und/oder Geschirrspüler wird bereits nach kurzer Zeit kein Problem mehr sein. Jedoch sind es zumeist die kleinen Dinge, die von Ihrem Au-pair nicht recht verstanden oder aus bisheriger Erfahrung in ihrem Land ganz anders gesehen werden. Wir raten deshalb dazu, auch Kleinigkeiten in einem Gespräch so früh als irgend möglich genau zu erklären.

Hilfreich ist es sicherlich, gemeinsam einen möglichst festen Zeitplan zu erstellen. Gemeinsam deshalb, dass das Au-pair die einzelnen Punkt in diesem Zuge genau erklärt bekommen kann.

Denken Sie hierbei bitte wieder daran, nichts als selbstverständlich vorauszusetzen. Hierbei ist es auch wichtig, ihrem Au-pair zu erklären, was sie voraussetzen bzw. gerne hätten, denn jede Aufgabe braucht ein Ziel.

Wenn Sie z.B. Ihrem Au-pair aufgeben, etwas aufzuräumen, dann meinen Sie eventuell nur das bloße Wegstellen einzelner Gegenstände, Ihr Au-pair interpretiert hier jedoch auch noch das Saubermachen mit hinein.

Je konkreter Sie die Aufgaben definieren, desto besser läuft es später. Bei ungenauen Angaben stellen sich eventuell Schwierigkeiten ein, welche dann nur schwer gerade zu biegen sind.

Hierzu einige Themen, welche sicherlich früh genau abgeklärt werden müssen:


Telefonieren
Internetnutzung
Fernsehen (mit und ohne Kinder)
Ernährung
Religion
Besuch, den das Au-pair nach einiger Zeit sicher bekommt
Ausgehzeiten - in der Woche und am Wochenende
Tabuzonen im Haus fürs Au-pair oder die Kinder
eventuell Auto- oder Fahrradbenutzung
wie und wann wird das Taschengeld ausbezahlt
Vergütung und Freizeitanrechnung von Mehrstunden/für Sonderaufgaben
Urlaubsregelung
Ordnung im Haus
wo wird geraucht und wo nicht
Medikamente
wichtige Adressen und Telefonnummern
was ist in Notfällen zu tun, wer ist zu verständigen.


Sie sollten hierbei jedoch auch immer bedenken, dass ein Au-pair auch eigene Bedürfnisse hat, auf die eingegangen werden sollten. Je transparenter und besser begründet die einzelnen Punkte besprochen werden, desto besser für beide Seiten.

Auch die unterschiedliche Gewichtung der einzelnen Themenbereiche spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Wenn Sie abweichend vom normalen Tagesablauf kurzzeitige Veränderungen treffen müssen, z.B. wenn Besuch kommt und demnach die Prioritäten im Vorfeld etwas anders liegen müssen, so sollten Sie dies Ihrem Au-pair genau erklären.

Sie werden feststellen, je mehr besprochen und erörtert wird und je mehr und je genauer Sie erklären, desto besser läuft alles. Und wenn alles gut läuft, dann bitte vergessen Sie nicht, Ihr Au-pair von Zeit zu Zeit zu loben, das ist wie ein Energieschub für die Motivation und das Wohlbefinden für Ihr Au-pair.


Verständigungsprobleme

Denken Sie bitte daran, dass Ihr Au-pair eine andere Muttersprache hat. Vor allem am Anfang besteht die Gefahr, dass das Au-pair aus Höflichkeit immer erklärt, dass sie alles verstanden hat. Teilweise haben die Mädchen nie gelernt, nachzufragen, oder gar zu hinterfragen. Dazu sollten Sie ihre neue "Tochter" aber unbedingt auffordern und ermutigen. Dies zum einen um Missverständnisse zu vermeiden, aber auch um die Selbstständigkeit zu fördern und das Wir-Gefühl zu stärken.

Trotzdem werden Sie vielleicht nach einiger Zeit feststellen, dass das Au-pair Dinge nachfragt, die Sie anfangs längst erklärt hatten. Seien Sie dann verständnisvoll und erklären alles noch einmal. Sind Sie zu kritisch, verschließt sich das Au-pair beim nächsten Mal, aus Angst zu fragen.


Gegenüber Ihren Kindern

Gegenüber Ihren Kindern, zu deren Betreuung das Au-pair ja hauptsächlich gekommen ist, sollten sie dem Au-pair den Rücken stärken.

Kinder testen gern ihre Grenzen aus und das neue Familienmitglied ist dazu geradezu auserwählt.
Wenn Sie jetzt Ihren Kindern nicht zeigen, dass das Au-pair berechtigt ist, Verhaltensregeln auch in Ihrem Sinne auszusprechen, sondern Widerstand über ein gewisses Maß durchgehen lassen, wird das Au-pair wenig Einfluss auf Ihre Kinder haben. Das kann bei Ihrer Abwesenheit später zu schlimmen Konsequenzen führen, wenn Kinder über die Stränge schlagen, wie Kinder halt machmal sind und auch sein sollen, aber dann niemand da ist, der sie im richtigen Moment unter Kontrolle bringen kann, bevor etwas passiert.


Kritik

Wie in jeder Familie wird es hier und da auch mal Anlass zu Kritik geben. Bitte beherzigen Sie, dass diese möglichst auf rein faktischer Basis geführt werden sollte. So z.B. nicht: was soll den das bitte - oder gar - macht man das so bei euch... etc. Sondern vor allen derart: warum hast Du das jetzt so gemacht? Kuck mal, wenn Du das anders machst, dann wird es besser. Komm, ich zeige es Dir.

Auch Verallgemeinerungen oder Anschuldigungen führen zu keinem Ergebnis und darum geht es doch eigentlich, eine neue gemeinsame Linie zu finden , ein Ergebnis zu erzielen.

Es hat sich zudem bei vielen Gastfamilien bewährt, das Probleme nicht in Anwesenheit der Kinder besprochen werden. Dies hilft vor allem dabei, dass Ihr Au-pair vor Ihren Kindern nicht die Autorität verliert.




HEIMWEH

Ein Problem, dass nahezu immer und zudem nicht nur bei Au-pairs entsteht, sondern bei allen Menschen, wenn Sie in ferne Länder Reisen und genau wissen, dass dies nicht nur zum Urlaub ist, so dass eigentlich jeder dafür Verständnis hat. Bedenken Sie bitte, sie selbst sind nicht schuld daran, sondern äußere Umstände, welche durch Sie selbst nicht beeinflussbar sind.

Haben Sie deshalb kein schlechtes Gewissen. Den Verlauf dieser kritischen Phasen können Sie selbst kaum beeinflussen. Die Erfahrung hat hier gezeigt, dass Telefonate nach Hause dem Au-pair kaum helfen sondern den Anpassungsprozeß eher verzögern können.

Was kann man hier tun?

Versuchen Sie verständnisvoll darüber zu reden, Ihrem Au-pair sagen, dass andere dies ebenfalls durchmachen und fast jede nach einiger Zeit erfolgreich dieses Gefühl überwindet. Wenn Sie aus eigener Erfahrung dieses Gefühl des Heimwehs kennen, hilft es manchmal, hierüber den Au-pair zu erzählen.

Motivieren Sie das Au-pair zu neuen Aktivitäten, ohne jedoch 1.000 Ideen anzuzetteln. Bedenken Sie bitte auch, dass Heimweh nicht unbedingt linear auftritt. Heimweh kommt und geht in Intervallen, d.h. wenn Ihr Au-pair dies zunächst überwunden hat, muss dies nicht endgültig sein.

Zeigen Sie bitte Verständnis und Gewähren Sie dem Au-pair gegebenenfalls "Auszeiten" von all den neuen Aufgaben und Eindrücken, damit es Zeit bekommt, sich zu sammeln, sich zu beruhigen.


Urlaubszeit

Viele Gastfamilien möchten ein Au-pair mit in den Familienurlaub nehmen. Bitte beachten Sie hierbei folgendes:

Bei Urlaub innerhalb der Staaten des Schengener Abkommens kann ein Au-pair sich mit Ihnen frei bewegen.

Bei Reisen in andere Staaten fragen Sie am besten die jeweilige Botschaft bzw. das jeweilige Konsulat des Gastlandes nach den Visabestimmungen für Ihr Au-pair.

Hier haben wir für Sie eine Liste aller Konsulate und Botschaften in Deutschland zusammengestellt.

Grundsätzlich jedoch zählt der Urlaub für das Au-pair zur Arbeitszeit, wenn sie nicht statt dessen frei wählen kann, ob sie mitfahren möchte oder lieber z.B. zu ihren Eltern reist und in dieser Zeit wirklich keinerlei Aufgaben oder Pflichten zu erfüllen hat.

In jedem Fall jedoch gilt auch in dieser Zeit: Taschengeld, freie Kost und Logis im eigenen Zimmer. Das bedeutet die vollen Lebenshaltungskosten und das eigene Zimmer muss von den Gasteltern gestellt werden. Wenn Das Au-pair bei Familienausflügen mitkommen muss, geht dies auch zu lasten der Gastfamilie.

Aus diesem Grund auch gibt es nicht viele Gasteltern, die Ihr Au-pair mit in den Urlaub nehmen, die Kosten für Einzelzimmer, Vollpension oder entsprechende Arrangements, Getränke, Ab- und Abreisekosten, das alles geht wirklich ins Geld, es sei denn, es wird ein Ferienhaus gebucht.


Generell hat ein Au-pair bei einem einjährigen Aufenthalt Anrecht auch 4 Wochen bezahlten Urlaub. Je nach Planung kann es in etwa mit Ihren Urlaubszeiten übereinstimmen. Jedoch auch hier gilt, dass ein Au-pair auch eigene Wünsche hat, welche bei der Urlaubsplanung Berücksichtigung finden sollten. Ein gemeinsames Gespräch in aller Ruhe sollte hier zu einer planerischen Übereinkunft führen können.


Weihnachtszeit

Sie werden bemerken, wenn es auf Weihnachten zugeht, wird Ihr Au-pair sich nach Hause sehnen. Diese Tage im Kreise der Familie sind sicherlich wünschenswerter als in der Fremde, das geht wahrscheinlich auch Ihnen so.

Sollte Ihr Au-pair, aus welchen Gründen auch immer, bei Ihnen die Weihnachtsfeiertage verbringen, denken Sie bitte daran, dass sie in dieser Zeit eine familiäre Bindung und menschliche Wärme mehr als sonst nötig hat.

In dieser Zeit kann auch das vorher beschriebene Heimweh, auch wenn dies noch so oft überwunden scheint, wieder aufkommen.

Versuchen Sie Ihr zu zeigen, dass sie auch an Weihnachten herzlich willkommen ist. Bedenken Sie jedoch auch, dass in orthodoxen Kirchen Weihnachten 8 Tage später stattfindet.


Nach einigen Monaten.

Sie werden bemerken, dass, wenn das Au-pair z.B. im Urlaub ist, dass man auf der einen Seite vielleicht einige Tage allein genießt, jedoch auf irgendeine unerklärliche Weise fehlt plötzlich etwas.

Wenn sich dann das Jahr zu Ende neigt und man zu guten Freunden geworden ist, dass dann der nahende Abschied schwer fällt.

Wenn es für beide Seiten ein wirklich gutes Jahr war, dann werden Sie und auch Ihr Au-pair über lange Jahre noch in Kontakt bleiben. Natürlich nicht derart, dass man jede Woche telefoniert, aber ab und zu wird man voneinander hören, und sich erinnern ....

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